Verständnis

 

Versteht ihr einander, du und dein Hund?

 

Herr Bornhauser, als Vorstandsmitglied im Schweizerischen Verein für Belgische Schäferhunde sind Sie verantwortlich für die Wesensprüfungen. Was ist eine Wesensprüfung?

 

Bornhauser:

Bei Rassehunden will man die Zucht im Wesensbereich und im gesundheitlichen Bereich kontrollieren und fördern. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben des Rassevereins ...

 

 

Was bezeichnen Sie als das "Wesen" eines Hundes?

 

Bornhauser:

Zum "Wesen" des Hundes gehören verschiedene Komponenten wie zum Beispiel das generelle Verhalten in der Umwelt, das soziale Verhalten, die Selbstsicherheit, die Nervenfestigkeit. Das so verstandene Wesen des Hundes entscheidet darüber, wie gut er Umwelteinflüsse verarbeiten kann. Es ist auch verantwortlich dafür, dass er seine angeborenen Triebe im Griff hat, sozial verträglich und nicht aggressiv ist. Zum Wesen gehört ferner, dass der Hund zugleich über eine "gewisse" Härte und Führigkeit verfügt. Dies hilft ihm, sich von Einflüssen und Ereignissen, die auf ihn zukommen, schnell zu erholen.

 

 

Wozu braucht der Belgische Schäferhund all diese Eigenschaften?

 

Bornhauser:

Der Belgische Schäferhund ist ein Gebrauchshund. Von ihm wird eine hohe Arbeitstauglichkeit gefordert. Diese ist nur bei einer guten Belastbarkeit gegeben. Und Belastbarkeit wiederum setzt ein gutes "Wesen" voraus. Speziell im Ausland sind zwei unterschiedliche züchterische Ziele zu beobachten: a) Schönheit und b) Gebrauchstüchtigkeit.

 

Die Arbeitsfähigkeit ist ein wichtiges Kriterium für den Sport und für das Rettungswesen. Wenn die Schönheit das Hauptziel der Zucht ist, spielt gutes Wesen schon auch eine Rolle, aber letztlich sind auf Gebrauchstüchtigkeit gezüchtete Hunde eben doch besser geeignet für die Arbeit. Die Züchter in der Schweiz achten inzwischen ebenfalls mehr auf Charakter als Zuchtziel, damit sie konkurrenzfähige Belgier züchten können.

 

 

Wie erfolgreich sind die schweizerischen Züchter im internationalen Vergleich?

 

Bornhauser:

Hunde aus Schweizer Züchtungen haben in den letzten Jahren Internationale Erfolge im Gebrauchshundesport erzielt. Dies belegt den Erfolg der Züchter auf dem eingeschlagenen Weg.

 

 

In welcher Weise tragen die Wesensprüfungen zu diesem Erfolg bei?

 

Bornhauser:

Die Wesensprüfung hat die Aufgabe, für die Zucht diejenigen Tiere mit den besten Erbanlagen auszuwählen. Diese Prüfung ersetzt, so weit das überhaupt möglich ist, die natürliche Selektion, die bei Haustieren ja nicht mehr von selbst funktionieren kann. Es ist schwierig, bei einem Hund die Erbanlagen und damit sein Wesen zu erkennen.

 

Wir unterscheiden zwischen dem "Phänotyp" und dem "Genotyp". Der Phänotyp ist, wie der griechische Ausdruck sagt, ein schöner, durch die äussere Erscheinung beeindruckender Hund. Der Genotyp zeichnet sich durch besondere Merkmale im Wesensbereich aus, während er möglicherweise optisch überhaupt nicht auffällt. Es ist die Aufgabe des Wesensrichters, diese Unterscheidungen zu erkennen. Das stellt hohe fachliche Anforderungen. Das Urteil des Wesensrichters findet nicht immer die Zustimmung der Zuschauer und der Hundebesitzer. Die meisten Leute beurteilen einen Hund ja nach der optischen Erscheinung.

 

 

Kann ein Hundehalter seinen Hund auf die Wesensprüfung hin so vorbereiten, dass dieser sich von seiner besten Seite zeigt?

 

Bornhauser:

Das funktioniert nicht, weil der Hund sein Wesen nicht verstecken kann. Der Wesensrichter erkennt, ob ein Hund für diese Prüfung geschult wurde oder nicht Er kann übrigens auch beurteilen, ob ein Hund gut oder schlecht gehalten wird. So gesehen wird ein schlechter Hund trotz Vorbereitung kaum eine gute Wesensprüfung absolvieren.

Das ergibt manchmal unerwartete Resultate. Ein Hund, der schlecht geführt wird und optisch nicht so gut aussieht, kann trotzdem als gut beurteilt werden, weil er ein gutes Wesen zeigt. Die Kunst des Wesensrichters ist diese Unterscheidung. Hundeführer, die über wenig fundiertes Wissen verfügen, verstehen dann nicht, warum ein schlecht vorgeführter Hund ebenso gut beurteilt wird, wie einer der gut vorbereitet wurde. Das kann zu Diskussionen führen, zumal der Betrachter nicht direkt beim Hund steht und ihn gar nicht so genau beurteilen kann wie der Wesensrichter. In der Wesensprüfung liegt eine grosse Verantwortung für die Entwicklung der Rasse.

 

 

Was ist Ihre Aufgabe bei den Wesensprüfungen?

 

Bornhauser:

Ich bin Obmann der Wesensrichter im Schweizerischen Club der Belgischen Schäferhunde. Zu meinen Aufgaben gehört die Schulung und Instruktion der Wesensrichter, damit sie auf die gleichen Sachen Wert legen und eine einheitliche Beurteilung vornehmen können. Der Belgische Schäferhundeclub hat ein Modell entwickelt, das es möglich macht, mittels doppelter oder dreifacher Gewichtung von einzelnen Wesensmerkmalen, wie zum Beispiel ausgeprägtem Beute- und Spieltrieb, Temperament, Führigkeit und Arbeitsbereitschaft, das Besondere der Belgischen Schäfer gegenüber anderen Rassen zu verstärken.

 

Das hat den Vorteil, dass wir in der Zuchtauswahl sofort ein Gegengewicht setzen können, wenn Hunde in irgendeiner Art und Weise nicht mehr dem Wesensstandard entsprechen.

 

 

Was ist unter "Gegengewicht" zu verstehen?

 

Bornhauser:

Ein "Gegengewicht setzen" bedeutet, die Zucht mit mehr Gewicht auf erwünschte Wesensmerkmale zu beeinflussen.

In der Schweiz ist der Belgierverein der erste und einzige Gebrauchshundeverein, der an der Wesensprüfung keine Überprüfung von Wehr-, Aggressions- und Schutztriebkomponenten vornimmt. Trotz dem sind unsere Hunde weltweit gesehen in allen Sparten unter den führenden Arbeitshunden. Dies ist die zuverlässigste Aussage über das genetische Potenzial unserer Hunde.

 

 

Wie lautet die Beurteilung eines Hundes, der die Wesensprüfung nicht besteht?

 

Bornhauser:

Eine solche Beurteilung zählt einen oder mehrere Ausschlussgründe von der Zucht auf: Der Hund erreicht nicht im erwünschten Mass die Eigenschaften des Wesensstandards. Der Hund zeigt Nervenschwäche, fehlende innere Sicherheit, Ängstlichkeit, Geräuschüberempfindlichkeit, angstbedingte, unerwünschte Schärfe, extreme Nervosität. Es kann auch heissen: Unkontrollierbarer und durch den Wesensrichter nicht beurteilbarer Hund.

 

 

Oft hört man sagen, Mischlinge seien viel gesünder als reinrassige Hunde, weil sie nicht überzüchtet seien. Was sagen Sie dazu?

 

Bornhauser:

Diese Aussage ist nicht überprüfbar, weil keine Daten zum Vergleich vorliegen. Somit kann diese Meinung keine Gültigkeit haben. Fest steht, dass Rassehunde permanent auf die Gesundheit hin geprüft werden. Dies ist eines der Vereinsziele. Fest steht auch, dass bei Rassehunden nur körperlich und im Wesen gesunde Hunde zur Zucht zugelassen werden. Beim Hund ohne Stammbaum ist dies alles nicht der Fall.

 

In der Rassezucht von Gebrauchshunden sind die Kriterien für die Zuchtauswahl weitgehend der Natur abgeschaut. Bei Mischlingen waltet in der Regel der Zufall. Eine kontrollierte Zucht beinhaltet aus gesundheitlichen Gründen auch Zuchtpausen, dem entsprechende Hygiene und Aufzuchtbedingungen. Beim Mischling fehlt auch diese Kontrolle.

 

 

Was sind wichtige Unterschiede zwischen den Belgischen und anderen Schäferhunden?

 

Bornhauser:

Die Belgier sind generell kleiner und kompakter. Sie sind höher im Temperament und haben ausgeprägtere Triebanlagen. Sie vereinen sehr gute Führigkeit und ausgesprochen grosse Arbeitsbereitschaft. Gleichzeitig sind sie sehr gut in der Familie zu halten. Entgegen einer weitläufigen Meinung sollte ein guter Arbeitshund ein umso besserer Familienhund mit sehr guten Nerven sein. Hier schliesst sich der Kreis zur Wesensprüfung, die eben eine Zucht auf genau dieses Ziel hin bezweckt.

 

 

Sie selbst züchten Belgische Schäferhunde der Varietät Tervueren. Was unterscheidet Tervueren von den übrigen Belgiern?

 

Bornhauser:

Die Rasse Belgische Schäferhunde umfasst vier Varietäten: Es sind dies der arbeitsgebräuchlichste Malinois (kurzes braunes Haar mit charbonnage), der bekanntere Groenenda! (schwarzes langes Haar), der Tervueren (braunes langes Haar mit charbonnage) sowie der weniger bekannte Laekenois (braunes rauhes Haar mit charbonnage).

 

Da mir der langhaarige braune Tervueren wegen seines Äusseren immer sehr sympathisch war, hat mich der Versuch gereizt, diese Varietät auf ein eben so arbeitstaugliches Niveau wie den Maiinois zu bringen. Verschiedene Erfolge und Titel von Hunden unserer Zucht haben dieses Vorhaben bestätigt. Die erzielten Erfolge haben die Skeptiker inzwischen davon überzeugt, dass auch der Tervueren als Arbeitshund konkurrenzfähig ist.

 

 

Wie war dieser Erfolg in so kurzer Zeit möglich?

 

Bornhauser:

Die Basis unserer Zucht waren langhaarige Hunde aus Malinoiswürfen von sehr guten Arbeitslinien. Diese Hunde, untereinander gepaart, sind rezessiv reinerbig, langhaarig, obwohl sie aus dem kurzhaarigen Malinois stammen. Diese Erkenntnis aus der Erblehre haben wir uns zunutze gemacht. Gute Arbeitshunde sind unser Zuchtziel. Das Resultat beweist, dass unsere Zuchtauswahl die natürliche Selektion unterstützt hat.

 

 

Woher haben Sie das umfangreiche kynologische Wissen?

 

Bornhauser:

Ich bin mehr oder weniger Autodidakt. Es braucht eine grosse Freude am Tier. Dazu kam die Neugierde und das Interesse, aus eigener Initiative etwas weiter zu entwickeln und sich selbst zu schulen. Es machte mir schon immer Freude, mich auf ethische Art und Weise mit einem Hund auseinanderzusetzen. Ich wollte mehr erreichen, als einem Hund ausschliesslich durch Zwang etwas beizubringen. Dabei erkannte ich sehr bald die Notwendigkeit, mich auch "hundepsychologisch" auszubilden und den Hund als Lebewesen und nicht als Werkzeug zu sehen.

 

 

Heisst das, die Arbeit mit Hunden sei für jedermann lernbar, wenn die richtigen Lehrmittel verfügbar sind?

 

Bornhauser:

Alles kann man nicht lernen. Es braucht auch Talent "von Haus aus". Verständnis für den Hund kann man schulen und einüben, aber den "Draht zum Hund" kann man letztlich nicht machen. Talent ist ein ganz wesentlicher Faktor, ohne den nicht wirklich ein befriedigendes Ziel erreicht werden kann.

 

 

Ist nicht der Kauf des bestmöglichen Hundes die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg?

 

Bornhauser:

Das meint der Laie. Der Fachmann weiss: Es braucht sehr viel Geduld und Verständnis sich selbst gegenüber. Die seriöse Arbeit mit dem Gebrauchshund wirft den Hundeführer zurück auf seine eigene Konstitution. Da beginnt eigentlich erst jene Faszination der Arbeit, die Hund und Hundeführer weiter trägt. Aber da beginnt auch das Risiko vom grossen Frust.

 

 

Wie soll man das verstehen, dass die ganz grosse Faszination und der ganz grosse Frust so nahe beisammen sind?

 

Bornhauser:

Der Hundeführer muss über den ersten Schritt, über die reine Befriedigung des eigenen Egos, hinaus kommen. Dann geht's eigentlich erst richtig los. Dann will er nicht mehr mittels Hund etwas sein. Dann akzeptiert der Hundeführer die eigenen Fehler. Bei der Hundeausbildung ist die positive Einstellung zu sich selbst und zum Hund sehr wichtig.

 

Es ist wichtig, zuerst die Fortschritte des Hundes zu erkennen, statt immer nur zu sehen, was noch nicht geht. Dann verstehen sich Mensch und Hund immer besser, bis der Hundeführer aus dem Gefühl heraus mit seinem Hund eine Harmonie erreicht, über die Aussenstehende nur staunen können. Das ist die Faszination des Hundesports, das verschafft eine Zufriedenheit, die sich mit Wörtern kaum vermitteln lässt. Dies erklärt auch, warum ein guter Ausbilder mit einem mittelmässigen Hund grosse Erfolge erzielen kann.

 

 

Warum erreichen nur Wenige dieses hohe Ziel?

 

Bornhauser:

Weil die meisten Hundeführer so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie nicht merken, wenn ihr Hund positiv arbeitet. Damit verhindern sie den Lernfortschritt oder zerstören ihn gar. Es fehlt ihnen das "Gspüri" für den Hund. Dieses Gspüri ist, wie gesagt, nicht wirklich lernbar und deshalb die Grenze für viele Hündeler. Wer sich ernsthaft auf die Arbeit mit einem Gebrauchshund einlässt, realisiert oft nicht früh genug, wie sehr sein eigenes Wesen über den Erfolg entscheidet. Ein Hundesportler, der nicht bereit ist, sich selbst durch seinen Hund in Frage stellen zu lassen, wird die letzte Faszination des Hundesports kaum erfahren.

 

 

Kann man bei Hunden von Persönlichkeit und von Charakter reden?

 

Bornhauser:

Wir stellen bei Hunden durchaus unterschiedliche Eigenschaften fest, die beim Menschen Charaktereigenschaften genannt werden. Es gibt sehr anschmiegsame Hunde und solche, die am liebsten auf Distanz gehen. Es gibt Hunde, die gehen sehr offen auf alles Neue zu, während andere sehr verschlossen sind, sobald sie etwas nicht kennen. Es gibt anhängliche und eigenständige, sanfte und draufgängerische, ruhige und quirlige Hunde.

 

Es gibt jene Typen, die wir beim Menschen als extravertiert oder introvertiert bezeichnen. Der typische Einmann-Hund stellt nur zu einem ganz engen Personenkreis einen Bezug her. Andere wiederum gehen mit jedem mit. Die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Und schliesslich erkennt man bei einzelnen Hunden einen auffallenden Drang nach Geltung. In dieser Hinsicht können Hunde sehr "menschlich" wirken. All das hat mit Charakter zu tun und macht die "Persönlichkeit" des Hundes aus.

 

 

Wie steht es mit der Intelligenz?

 

Bornhauser:

Wir sprechen schon von mehr oder weniger intelligenten Hunden. Ein intelligenter Hund ist "wiffer", wacher und durch sein Temperament leichter ansprechbar auf Umweltreize. Er kann Eindrücke gut absorbieren und lernt demzufolge schnell. Andere müssen das Erlernte permanent wiederholen. Man hat bei ihnen das Gefühl, sie vergessen laufend, was sie gelernt haben. Ein Hund kann verschiedene Sachen verknüpfen. Das ist eine Intelligenzleistung. Es gibt Hunde, die stumpfen durch Gewöhnung, zum Beispiel durch das ständige Wiederholen der gleichen Übung, ab. Andere gewinnen dadurch erst Sicherheit. Dieses Beispiel zeigt, dass unterschiedlich intelligente Hunde verschieden stark gefordert werden müssen.

 

Und schliesslich zeigt die Tatsache, dass man einen Hund psychologisch stark beeinflussen kann, seine hohe Sensibilität. Es ist vorgekommen, dass ein Hund den epileptischen Anfall seiner Bezugsperson gespürt und darauf reagier hat, noch bevor der Anfall wirklich ausbrach. Ebenso wurde schon beobachtet, dass ein Hund einen Diabetiker bei Unterzuckerung im Voraus warnte. So, wie wir den Menschen einen "gesunden Menschenverstand" zubilligen, so rechnen wir beim Hund "mit einem "gesunden Hundeverstand". Aus der Harmonie zwischen diesen beiden Verstandesarten oder Intelligenzen gehen erstaunliche Teamleistungen hervor. Ohne Harmonie allerdings geht nichts, was wirklich Freude bereitet.

 

 

Haben eigentlich Männer und Frauen die gleichen Chancen auf Erfolg in der Arbeit mit Gebrauchshunden?

 

Bornhauser:

Sagen wir's diplomatisch: Frauen haben in keinster Weise geringere Chancen als Männer. Frauen sind freier, dem Hund zu helfen, wenn er etwas nicht auf Anhieb versteht. Frauen fühlen sich nicht schwächer, weil ihr Hund ein Problem hat. Frauen neigen weniger dazu, ihren erfolgreichen Arbeitshund als Bestandteil ihres Prestiges zu interpretieren. Es braucht jenes Einfühlungsvermögen, mit dem viele Frauen begabt sind. Da wären wir wieder beim Thema Begabung. Manche Männer tun sich schwerer damit, dieses Einfühlungsvermögen zu zeigen.

 

 

Welche Bedeutung hat für Sie der Hundesport allgemein?

 

Bornhauser:

Hundesport auf jedem Niveau ist für den Menschen eine sehr schöne Beschäftigung, die ihn körperlich und geistig enorm fordert, die ihm gut tut und ihn gesund und frisch erhält. Für die Hunde ist Beschäftigung, Schulung und Ausbildung eine absolute Notwendigkeit. Das muss nicht mit Prüfungszielen verbunden sein. Aber es braucht dazu einen Übungsplatz, auf dem man lernt, mit seinem Hund mehr zu unternehmen als spazieren und füttern. Genau wie uns selbst, sollen wir auch unseren Hund geistig fordern. Das ist ein wesentlicher Bestandteil davon, den Hund gesund zu erhalten und sein Wesen in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

 

Macht man Hunde "scharf", indem man mit ihnen arbeitet?

 

Bornhauser:

Grundsätzlich sind nicht jene Hunde, die auf dem Übungsplatz ausgebildet und gefordert werden, aggressiv und bös. Bös und aggressiv sind gelangweilte Hunde ohne Anschluss an eine Gemeinschaft, ohne Forderung. Ein Hund ohne die freudige Erwartung, dass er mitkommen darf, dass er etwas mitmachen darf, wird abgestumpft, asozial und ist ein trauriger Anblick. Asoziale, gefährliche Hunde verändern sich, sobald sie eine Ausbildung bekommen, in der sie sich ausleben dürfen. Ich habe es schon erlebt, dass ein so genannt "gefährlicher" Hund ein toller Familienhund wurde, nachdem er regelmässig beschäftigt und gefordert wurde.

 

 

Können Sie einige Grundregeln für Hundehalter nennen?

 

Bornhauser:

Wir wollen den Hundehaltern durch den Hundesport ins Bewusstsein rufen, dass wir in einer Umwelt leben, in der die Hundehalter auf ihre Mitmenschen Rücksicht zu nehmen haben. Das heisst, wir leinen unsere Hunde an, wenn Jogger, Reiter, Velofahrer in Sichtweite sind. Andererseits ist auch der Hundehalter froh, wenn die Genannten auch auf unsere Hunde Rücksicht nehmen. Das Halten eines Hundes enthält eine ausgesprochen soziale Komponente.

 

Der Hundehalter muss stets beides im Auge behalten, auch wenn dies nicht immer auf Verständnis stösst. Er muss nicht nur die Umwelt vor dem Hund schützen, er muss auch den Hund vor der Umwelt schützen. Und schliesslich: Vergiss nie, der Hund ist kein Spielzeug, sondern dein Kamerad. Wahrscheinlich hast du ihn ausgelesen, er dich vermutlich nicht. Du erhältst viel von ihm, und darum schuldest du ihm auch viel.

 

 

Danke für das Gespräch!

Interwiev Giovanni Caduff

 

Nach oben

E-Mail

Copyright © Hanspeter Schaller. All Rights Reserved.